Die Prozession schob sich langsam am Gitterzaun entlang, der den mit Zelten verschiedenster Größen, Formen und Farben gespickten Acker umsäumte. Ein endlos sich wiederholender Singsang, der fast schon sakral anmutete, bestehend aus einer Strophe eines Oasis-Songs, waberte zu uns hinüber. Es waren vielleicht 40 bis 50 dunkle Schatten, angeführt von einigen Laternen, die in den vordersten Reihen tanzten. Es war bereits 5 Uhr morgens, der Mond beleuchtete das Szenario und verlieh ihm einen silbernen Glanz, durchbrochen nur von einigen Wolkenschleiern. Feierlichkeit lag in der Luft.
Die Hitze des Tages war abgekühlt, es roch nach einer warmen Sommernacht und doch war es schon fast kalt. Die meisten Zelte lagen im Dunklen oder waren dürftig beleuchtet. An den Rändern verschwammen Schatten und Inseln voller Licht. Wir hatten uns von unseren Campingstühlen erhoben und blickten erwartungsvoll in die Nacht, die Kerze auf dem Tisch spendete etwas Licht, Bierflaschen und Dosen schimmerten silbern und gaben still Zeugnis über die letzten Stunden ab. Nüchtern war hier wohl keiner mehr. Gerade noch hatten unsere Zeltnachbarn eine unfreiwillige Komödie abgegeben, der wir biertrinkend zunehmend amüsiert gelauscht hatten. Der ein oder andere von uns war – berauscht vom Gerstensaft- bereits zwischendurch weggeschlummert. Andere waren ins Zelt gegangen, um sich schlafenzulegen, das Camp hingegen schlief nie, ein Murmeln, eine fast sichtbare Unruhe erfüllte die Nacht.
Der Marsch der Schatten, der sich jetzt immer schneller zu nähern schien, gab sich jetzt wie eine Demonstration und skandierte „Nazis raus, Nazis raus“. Ein Flashmob von Individuen. Und keiner konnte so richtig erfassen, warum er dem Mob folgte. Süßer Geruch, verdampfenden Harzes stach mir in die Nase, genüsslich machte ich mir eine neue Dose Bier auf. Bavaria, lauwarm, zzzzisssch. Ich musterte die jetzt fast bei mir ankommende Meute. Leute auf Stelzen mit merkwürdiger Kostümierung, junge Leute in Kapuzenpullis, verplant wirkende Hippis und Punks komplettierten den irrealen Eindruck. Ein Bild wie aus einem wirren Fiebertraum. Wir schritten der Menschenansammlung entgegen, die sich akustisch jetzt in Gesprächsfetzen auflöste, ein Wispern und Raunen, ein Summen wie in einem Bienenstock. Herber Biergeruch schlug mir entgegen und übertünchte den Geruch der Nacht. Die angespannte, konzentrierte Stimmung war einem entspannten Durcheinander gewichen. Und dann, dann zerstreute sich der Pulk in alle Himmelsrichtungen, so schnell als hätte sich das Ereignis nie zugetragen.
Eine ganz normale Nacht, der ganz normale Wahnsinn, auf einem Festival im Sommer 2015.
Die Hitze des Tages war abgekühlt, es roch nach einer warmen Sommernacht und doch war es schon fast kalt. Die meisten Zelte lagen im Dunklen oder waren dürftig beleuchtet. An den Rändern verschwammen Schatten und Inseln voller Licht. Wir hatten uns von unseren Campingstühlen erhoben und blickten erwartungsvoll in die Nacht, die Kerze auf dem Tisch spendete etwas Licht, Bierflaschen und Dosen schimmerten silbern und gaben still Zeugnis über die letzten Stunden ab. Nüchtern war hier wohl keiner mehr. Gerade noch hatten unsere Zeltnachbarn eine unfreiwillige Komödie abgegeben, der wir biertrinkend zunehmend amüsiert gelauscht hatten. Der ein oder andere von uns war – berauscht vom Gerstensaft- bereits zwischendurch weggeschlummert. Andere waren ins Zelt gegangen, um sich schlafenzulegen, das Camp hingegen schlief nie, ein Murmeln, eine fast sichtbare Unruhe erfüllte die Nacht.
Der Marsch der Schatten, der sich jetzt immer schneller zu nähern schien, gab sich jetzt wie eine Demonstration und skandierte „Nazis raus, Nazis raus“. Ein Flashmob von Individuen. Und keiner konnte so richtig erfassen, warum er dem Mob folgte. Süßer Geruch, verdampfenden Harzes stach mir in die Nase, genüsslich machte ich mir eine neue Dose Bier auf. Bavaria, lauwarm, zzzzisssch. Ich musterte die jetzt fast bei mir ankommende Meute. Leute auf Stelzen mit merkwürdiger Kostümierung, junge Leute in Kapuzenpullis, verplant wirkende Hippis und Punks komplettierten den irrealen Eindruck. Ein Bild wie aus einem wirren Fiebertraum. Wir schritten der Menschenansammlung entgegen, die sich akustisch jetzt in Gesprächsfetzen auflöste, ein Wispern und Raunen, ein Summen wie in einem Bienenstock. Herber Biergeruch schlug mir entgegen und übertünchte den Geruch der Nacht. Die angespannte, konzentrierte Stimmung war einem entspannten Durcheinander gewichen. Und dann, dann zerstreute sich der Pulk in alle Himmelsrichtungen, so schnell als hätte sich das Ereignis nie zugetragen.
Eine ganz normale Nacht, der ganz normale Wahnsinn, auf einem Festival im Sommer 2015.
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