Direkt zum Hauptbereich

Posts

Verfluchter Alkohol - Inspiration vs. Delirium

Verflucht, Ronja von Rönne hatte Recht. Saufen und Schreiben das verträgt sich einfach nicht. Es ist wie ein Duell, entweder siegt das Eine oder das Andere. Einen Tod muss man sterben und es kann nur Einen geben. Was war ich motiviert als ich gestern von ihrer Buchlesung kam, das frisch signierte Buch aufgeschlagen, mich auf dem schäbigen Sitz der Straßenbahn fläzend durch ihre Kurztexte scannte. Ihre witzigen, pointierten Texte lösten in mir den Reflex "das kannst Du auch" aus. Nein kannst Du nicht, Alex. Zu Hause die letzten Limetten geachtelt und gestampft, Rohrzucker dazu, das Glas mit Crushed-Ice aufgefüllt. Alles für einen ordentlichen Caipirinha. Viel zu viel Cachaca draufgegossen, freihändig was sonst, Rezepte sind Anhaltspunkte und nur Warmduscher halten sich sklavisch daran fest. Ab aufs Sofa, erst mal Pause. Schlurf, halbes Glas schon weg. Kurz mal abschalten. Die Gedanken rasen. Ein Haufen Ideen. Ich kann alles. Ich bin der König der Welt. Gott, Titanic, bist Du 9...
Letzte Posts

In 15 Minuten kommt der Bus

Die letzten Blätter fielen von den Bäumen, deren kahle Äste jetzt wie Zinken einer Ga-bel in den Himmel stachen. Die schmale, gepflegte Straße mit der steinernen Wegbe-festigung schien erst kürzlich gründlich gekehrt worden zu sein und doch klebten braune, fleckige Laubreste auf der grauen Asphaltdecke, auf der angrenzenden Grün-fläche leuchteten gelbe und rote Lichter im Gras. Die Abendsonne stand tief, ihre Strahlen reichten nicht mehr aus, die wenigen, perfekt geformten Tropfen von den Glasscheiben des Wartehäuschens zu küssen. Es wurde merklich kühler, die Dame mit Hut hatte es eilig, mit festem Schritt steuerte sie den Unterstand an. Fast geräuschlos, den Kopf etwas gesenkt, bemüht den Oberkörper aufrecht zu halten und sich keine Schwäche anmerken zu lassen. Nur ab und zu ließ sich ein summendes, angestrengtes Stöhnen vernehmen. Sie war altmodisch gekleidet, Schichten in Grau und Brauntönen. Vor sich her trug sie eine große Handtasche aus Stoff, geschmückt mit Holzperlen. „Guten T...

Die Helden-WG läd zum Festbankett oder kein Mampf ohne Kampf

Bernulf der Berserker, der eigentlich Bernd Wiegand hieß, setzte das mächtige Trink-horn an seinen Mund, legte den Hals in den stierartigen Nacken, um sodann einen kräftigen Schluck Met in den Schlund zu kippen. Bedächtig setzte er das leere Gefäß wieder ab von den breiten fischigen Lippen, stellte es etwas ungeschickt zurück in die Halterung auf dem rustikalen, hölzernen Küchentisch, um zur Tat zu schreiten. Seine dicken, kräftigen Wurstfinger angelten nach dem Küchenradio und drückten einen Knopf. Die CD mit dem melodischen Folk-Metal-Geschrabbel setzte sich in Bewegung und schlagartig pulsierte die Küche. Man könnte auch sagen, der Krach war ohrenbetäubend. Entschlossen griff er nach der Kriegsaxt auf dem Tisch, deren Knauf mit germanischen und keltischen Runen verziert war. Sie bildete eine Einheit mit seinen kräftigen Oberarmen, die über und über mit Tätowierungen übersät waren, ja keinerlei freien Fleck Haut mehr freizugeben schienen. Seinen mächtigen Wikingerhelm hatte er schon ...

Die Prozession

Die Prozession schob sich langsam am Gitterzaun entlang, der den mit Zelten verschiedenster Größen, Formen und Farben gespickten Acker umsäumte. Ein endlos sich wiederholender Singsang, der fast schon sakral anmutete, bestehend aus einer Strophe eines Oasis-Songs, waberte zu uns hinüber. Es waren vielleicht 40 bis 50 dunkle Schatten, angeführt von einigen Laternen, die in den vordersten Reihen tanzten. Es war bereits 5 Uhr morgens, der Mond beleuchtete das Szenario und verlieh ihm einen silbernen Glanz, durchbrochen nur von einigen Wolkenschleiern. Feierlichkeit lag in der Luft. Die Hitze des Tages war abgekühlt, es roch nach einer warmen Sommernacht und doch war es schon fast kalt. Die meisten Zelte lagen im Dunklen oder waren dürftig beleuchtet. An den Rändern verschwammen Schatten und Inseln voller Licht. Wir hatten uns von unseren Campingstühlen erhoben und blickten erwartungsvoll in die Nacht, die Kerze auf dem Tisch spendete etwas Licht, Bierflaschen und Dosen schimmerten silbe...

AbGEZockt und Spaß dabei

Neulich mach ich den Briefkasten auf und hab mal wieder diesen Wisch in der Hand: „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“. Service. Wenn ich das schon höre ... Ich kann es kaum erwarten, endlich zahlen zu dürfen! Aber in Deutschland ist der Arbeitslose ja Kunde des Service-Centers der Agentur für Arbeit, jeder Bahnreisende kommt in den Genuss des Service`, wenn der Zug mal wieder ausfällt und ab 2013 darf jeder Bürger nun den Beitragsservice finanzieren. Früher warb man als GEZ noch mit markigen Parolen wie „Schon GEZahlt“, das klang nach Schutzgelderpressung und die Methoden der Kontrolleure waren auch nicht minder ruppig. Lass mich rein und melde deinen Fernseher an, oder ... Diese Zeiten sind jetzt endgültig vorbei. Jetzt muss jeder Bürger zahlen, es braucht keine genervten 1-Euro-Jobber mehr, die von Tür zu Tür gehen und in bester Blockwartmentalität überwachen, ob nicht doch irgendwo heimlich geglotzt wird.  Und was kriege ich für meine 53,94 Euro im Quartal? Ich d...